Sieben künische Dörfer

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Sieben künische Dörfer

Der Ort Jandelsbrunn gehörte zusammen mit Heindlschlag, Rosenberg, Aßberg, Grund, Wollaberg (Vorder- und Hinterwollaberg) und Hintereben zu den sogenannten sieben (eigentlich acht) künischen Dörfern, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts durch die Initiative der Passauer Fürstbischöfe, die breite Waldsäume als Siedlungs- und Weideland roden ließen, entstanden sind.

Das umliegende Gebiet unterstand dem Fürstbistum Passau („bistümisch“) während die künischen Dörfer ab dem Verkauf im Jahre 1487 bis zum Rückkauf 1765 zum Einflussgebiet der kaiserlich-königlichen Habsburger gehörten, daher auch der Name „künisch“ = „königlich“.

Die nachfolgenden Texte sind dem "Künischen Boten"
entnommen und wurden von Gabi Wilhelm verfasst.

Geschichte der 7 künischen Dörfer (Teil 1)

Gemeinde-Geschichte Teil 1

1472 werden die in der Herrschaft Rannariedl gelegenen Dörfer urkundlich erstmals erwähnt. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man jedoch davon ausgehen, dass die Rodung und Besiedlungsphase bereits Mitte des 13. Jahrhunderts begann.

Dieses Jahrhundert war für die Passauer Bischöfe eine Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen, die viel Geld verschlangen. Da die Gefolgsmannen nicht bezahlt werden konnten, erhielten sie Lehen. Hier muss v. a. Bischof Otto von Lonsdorf erwähnt werden, der zwischen 1254 und 1257 viele bischöfliche Burgen an treue Dienstmannen verlehnte, und somit wieder zu Geld kam. Damit diese Lehen wiederum dem Besitzer aber auch Ertrag einbrachten, mussten sie besiedelt werden.

Unser Ursprung nimmt seinen Anfang im Bau der Burg Rannarigl (Rannariedl). In einer Urkunde vom 25. Dezember 1240 wird u. a. ein Chunrad von Valchenstein als Rat des Bischofs Rüdiger von Passau erwählt. Zugleich wird er beauftragt, an der Mündung der Ranna in die Donau eine neue Burg zu errichten, ein „neues Glied in der Kette der Donaufestungen“ zur Überwachung der Wasserstraße.

Als Lehensmann auf Burg Rannarigl wird der älteste Sohn Chunrads, Chalhoh von Falkenstein, beurkundet, der jüngere Sohn Heinrich erhielt Falkenstein. Die Besitzungen, die zur Herrschaft Falkenstein gehörten, wurden aufgeteilt. Ortschaften, Wälder, Jagden, Fischweiher wurden buchstäblich halbiert. So besitzt Falkenstein kein einziges, geschlossenes Gebiet mehr. Rannariedl hat als einziges geschlossenes Gebiet nur das Amt Heindlschlag aufzuweisen, die späteren künischen Dörfer. Dies ist bereits ein Hinweis darauf, dass dieses Gebiet erst nach der Teilung erschlossen wurde. Rannariedl war ein Zwergenbesitz, von dem der Lehensmann nicht leben (und auch Lehen zahlen) konnte. So gab der Passauer Bischof als Entschädigung den „Oberen Vorstwald“, ein menschenleeres Urwaldgebiet. Es dürfte das dringendste Anliegen Chalhohs gewesen sein, Siedler dorthin zu bringen und das Gebiet urbar zu machen. Mit Sicherheit gab es auch viele nachgeborene Bauernsöhne, die es zu einem eigenen Hof bringen wollten.

Vermutlich ein Bruch des Lehnseides durch Chalhoh gegenüber dem Bischof 1268 scheint der Auslöser dafür gewesen zu sein, dass zum einen Rannariedl auf drei Jahre an den Bischof zurückfiel, und zum anderen Falkenstein an das mächtige Geschlecht der Rosenberger (eine Linie des böhmischen Witigonen-Geschlechts) übergeben wurde. Zawisch von Rosenberg tritt 1272 als Inhaber von Falkenstein auf, von da an benennt er sich auch danach.